Was heißt da eigentlich Multichannel?

Ein Kommentar von Steffi Kürten.

Pressekonferenz im neuen Saturn Mark in Ingolstadt, der nach einer sechsmonatigen Umbaumaßnahme einfach nur begeistert. Nachdem der smarte Tech-Nick als Werbeträger schon längst in meinem Kopf angekommen ist und mir Begriffe wie „Multichannel“ und „digitalisierte Welt“ auch in anderen Zusammenhängen immer wieder begegnen, fühlte ich mich gewappnet. In einem Vorab-Gespräch mit Markt-Geschäftsführer Carsten Geilert während des Umbaus hatte ich noch nicht ganz verstanden, in welche Epoche wir gerade im Begriff sind aufzubrechen. Ich konnte es nicht fühlen, hatte keine passenden Bilder dazu. Multichannel? Man hat halt einfach einen Online-Shop, kann die Kunden aber auch stationär beraten und ihnen Produkte an die Hand geben. Für jemanden wie mich, der kein Smartphone besitzt, sind natürlich Apps und irgendwelche Codes zum Einscannen witzlos. Einen Flachbild-TV gibt es erst, wenn die „Röhre“ den Geist aufgegeben hat, die Kamera funktioniert, bei Großgeräten gönne ich mir nichts außer einer möglichst langen Garantie. Und warum bin ich denn dann zwei Stunden mit großen Augen durch den Saturn gelaufen? Warum galoppieren meine Gedanken jetzt durch die Gegend? Carsten Geilert hat Recht, die Welt verändert sich gerade wieder massiv und ich stehe mittendrin, obwohl ich ganz klar nicht mehr zur Generation „Multichannel“ gehöre. Während sich Erwachsene oft ziemlich dämlich mit den verschiedenen Fernbedienungen anstellen, die auf dem Wohnzimmertisch liegen, nimmt die Generation Multichannel die Dinger in die Hand, drückt hier und dann da und macht Mutti den Smart-Fernseher an. Bingo! Ich denke an die alte Dame, die völlig verzweifelt vor dem Fahrkartenautomaten stand – lange her. Sie wollte eigentlich am Schalter ein Ticket lösen, aber den gab es nicht mehr. Die Telefonzelle, von der aus sie ihren Sohn zur Hilfe hätte rufen können, auch nicht. Heute bestellt man seine Fahrkarten per Mouseklick und die No-Internet-Generation wird irgendwann ganz ausgestorben sein, mit ihr möglicherweise die Fahrkartenautomaten. Vielleicht auch Bargeld, man zahlt überall mit Plastikkarten oder gleich mit dem Smartphone – gibt es heute schon. Saturn arbeitet gerade an völlig abgefahrenen Systemen, die sich so fremd anhören, dass sie wohl wahr werden. Wer sich beispielsweise die neue Saturn-App herunterlädt, kann schon bald via Handykamera den neuen Prospekt „einlesen“. Im Foto erscheint ein Balken mit Preis und dem Zeichen „Warenkorb“. Zack, rein damit und auf „kaufen“ drücken. Wenn ich möchte, kann ich über mein Smartphone mit der ganzen vernetzten Saturn-Welt kommunizieren. Ich werde möglicherweise persönlich begrüßt, wenn ich den Markt betrete und mein Handy könnte mir dann auch sagen, in welchem Regal ich genau die Angebote finde, die für mich interessant sind…