ARMEEMUSEUM INGOLSTADT IM LOCKDOWN

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FOTO: © Erich Reisinger

Das Bayerische Armeemuseum in Ingolstadt ist eines der großen militärhistorischen Museen in Europa. Der Schwerpunkt der Sammlungen liegt auf Bayern in seinem europäischen Kontext. Sie reichen vom Spätmittelalter bis in die Gegenwart. Die Aufgabe des Bayerischen Armeemuseums ist, auf der Grundlage seiner Sammlungen, die kritische und historisch genaue Reflexion von Militär und kriegerischer Gewalt in der Geschichte und ihrer Auswirkungen auf Mensch, Gesellschaft und Staat. Im neuerlichen Lockdown light sind im November wieder alle Gebäude geschlossen, aber von Stillstand kann keine Rede sein, wie Redakteurin Petra Volkwein im Gespräch mit dem Direktor des Bayerischen Armeemuseums in Ingolstadt, Dr. Ansgar Reiß, herausfand. „Nein, es ist bei uns tatsächlich kein Stillstand – weder jetzt noch im Frühjahr. Beim ersten Lockdown mussten wir das Museum für neun Wochen schließen und haben bis jetzt keine Veranstaltungsaktivitäten mehr entfaltet. Es gibt momentan keine Führungen für Gruppen, speziell auch für Schüler*innen mehr, was uns besonders schmerzt. Was für das Museum eine große Rolle spielt, ist flachgefallen, aber hinter den Kulissen ging es natürlich unermüdlich weiter.“

Gewähren Sie uns einen Blick hinter diese Kulissen? „Das Projekt dieses Jahres ist das erneute Aufstellen des osmanischen Zeltes, also des kleinen Türkenzeltes. Es ist als Teil unserer Sammlung sicherlich vielen Ingolstädter und Besuchern des Hauses in Erinnerung – ein zwölfeckiges, außen rotes Zelt, ziemlich reich geschmückt. Wir haben es im Vorfeld der Landesausstellung 2015 abgebaut und nun wird wieder aufgestellt.“

Momentan weiß man nie, ob man seinen Zeitplan einhalten kann, aber was wäre Ihr Wunschtermin für eine Präsentation?„Mit den Wunschterminen ist das so eine Sache. Unser Ziel ist momentan, das Zelt noch vor der Weihnachtspause zu präsentieren, aber wir haben bei diesem Projekt tatsächlich viele Abhängigkeiten zwischen Bau, Plänen und verschiedenen Ausschreibungen, die wir selber machen mussten – der Zeitplan wackelt ein wenig, aber bis zur Weihnachtspause ist realistisch.“

Sie haben in der Vergangenheit sehr viel investiert, sei es in die hervorragende Beleuchtung oder auch in die modernen Vitrinen, das ist alles auch ein Kostenfaktor. Nun kommen weniger Besucher, während der Zeit der Schließung keine, wie kann man dieses Problem pekuniär und kreativ lösen? „Finanziell ist es so, dass gerade die Museen, die stark von Touristen besucht werden, große Verluste eingefahren haben, zum Beispiel die Gemäldesammlungen in München. Bei uns in Ingolstadt ist die Situation ein wenig anders. Wir haben viele Besucher aus der Region und die besuchen das Museum weiterhin recht rege. Was bei uns ausgefallen ist, ich hatte es schon angesprochen, sind speziell die Schulkassen. Allerdings zahlen Schulklassen ohnehin keinen Eintritt, somit haben wir auf der Einnahmenseite keine dramatischen Einbußen. Wir sind als staatliches Museum tatsächlich von der Regierung aufgefordert worden, tendenziell eher Rücklagen zu bilden und uns nicht darauf zu verlassen, dass der Haushalt im kommenden Jahr so gut sein wird wie im laufenden Jahr. Insofern sind auch an unserem Himmel dunkle Wolken aufgezogen.“

Wie sieht es denn mit den Bundeswehrsoldaten aus, die sich busweise in Ingolstadt mit Militärgeschichte vertraut machen? „Auch hier ist weitestgehend Flaute angesagt. Fast alle Institutionen, die im weitesten Sinne „Bildung machen“, veranstalten im Moment keine Exkursionen mehr, gehen nicht auf Fahrt, das ist allgemein ganz stark zurückgeschraubt worden. Zu den Veranstaltungen muss ich sagen, dass ich im Museum sehr zurückhaltend war, weil ich mir gesagt habe, Veranstaltungen sind für Musiker, für Schauspieler einfach essentiell, wir als Museum stehen da nicht im Vordergrund. Die wenigen Dinge, die überhaupt stattfinden können, gehören den performativen Künsten. Wir können unsere Sammlungen ja auch so zeigen.“

Kinder schreiben zu Weihnachten einen Wunschzettel. Gibt es verborgene oder offensichtliche Wünsche für Ihr Museum, das kommende Jahr betreffend? „Auch wir wünschen uns natürlich wieder einen lebendigen Besuch, vor allem Austausch, Diskussionen, Gespräche vor Ort, vor Objekten in den Museumsräumen. Das fehlt und ist schmerzlich. Wir werden weiter daran arbeiten, immer neue Räume zu öffnen und zugänglich zu machen. Meine Hoffnung ist auch, dass in dieser kritischen Zeit vielleicht ein Museum eher als geschützter Bereich empfunden wird, wo man in Ruhe und ohne Besuchermassen die Exponate und die Schönheit der Räumlichkeiten im Neuen Schloß genießen kann. Das ist auch etwas, was man wieder lernen sollte!

GESCHENKIDEE: VERSCHENKEN SIE DIESES JAHR
ZU WEIHNACHTEN DOCH EINFACH MAL EINTRITTSKARTEN FÜRS MUSEUM…

ANMERKUNG: Das Gespräch wurde vor der erneuten Schließung der Museen im November 2020 geführt.

TEXT: Petra Volkwein, FOTOS: Luise Wagener