EIN JAHRESRÜCKBLICK

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DAS STADTMUSEUM IM CORONAJAHR

PETRA VOLKWEIN IM GESPRÄCH MIT DER MUSEUMSDIREKTORIN, DR. BEATRIX SCHÖNEWALD

2020 war ein schwieriges Jahr für die Museumslandschaft. Es hat höchste Flexibilität von Ihnen verlangt? Das stimmt in der Tat, Flexibilität ist aber auch etwas, was wir in den Jahren zuvor immer schon haben mussten, sei es Haushaltslage oder Pandemie, trotzdem ist es so, dass man neben der Freude an der Arbeit auch die Flexibilität entwickelt. Für 2020 war die Eröffnung des Fleißer-Hauses geplant, die wegen der Pandemie von Mai auf Oktober verschoben werden musste. Eröffnungen zu verschieben ist nicht unbedingt schlecht, denn so konnten wir durch die Verzögerung etwas mehr machen. Flexibilität heißt bei uns von heute auf morgen im Programm umschalten, von Öffentlichkeitsarbeit auf den Innendienst. Wer die letzten Jahre verfolgt hat, weiß, dass Innendienst der Museumsarbeit durchaus guttut. Wir sind in uns gegangen, hatten keine Besucher und so viel Zeit, unser Museum gründlich aufzuräumen! Und das habe ich wirklich geschätzt. Man findet Dinge wieder, die man vor Jahren angekauft und fast vergessen hatte und kann sich in Ruhe damit auseinandersetzen. Wir konnten drei Monate lang eine Art Nabelschau betreiben. Das passt schon, aber wir alle sind auch froh, wenn der Außendienst wieder beginnt, weil ein Museum ja nicht nur aus Inventar besteht, sondern aus dem Dialog mit den Besucher*innen. Die nötige Flexibilität zu bewahren und den Optimismus nicht zu verlieren, das wird mit jedem Tag ohne Publikumsverkehr schwieriger. Das heißt, in der Rückschau kann man positiv sagen, wir konnten aktiv an einer Museumsöffnung arbeiten, wir hatten die Möglichkeit, uns wirklich auf diese Aufgabe zu konzentrieren, aber leider mussten wir drei Wochen nach der Eröffnung schon wieder schließen.

Es fehlen aber nicht nur die erwachsenen Besucher, auch die Schüler, die normalerweise herkommen, um lebendigen Heimat- und Sachkundeunterricht zu vertiefen und Geschichte zu erleben, dürften ebenfalls ausgeblieben sein? Also, die Schulen fallen schon sehr ins Gewicht, einerseits für die Besucherzahlen, andererseits vermissen wir den Austausch mit den Lehrkräften, den Schüler*innen. Ich wage zu prognostizieren, dass man da mindestens eineinhalb Jahre Ausfall hat – in Anbetracht dessen, was sich in der Stadt und der Umgebung ereignet hat. Die Identität, auch die Vermittlung wird immer schwieriger. Man kann es im Unterricht sagen, aber am besten ist es doch, vor Ort in der Innenstadt, der Altstadt, den historischen Bauten wie dem Münster, dem Schloß, der Hohen Schule, aber auch hier im Stadtmuseum Geschichte zu erleben. Über Streaming kann ich das nicht vermitteln, ich brauche das Original, ich brauche das räumliche Sehen, Denken, Fühlen von dem, was war und das geht uns so richtig ab.

Gibt es noch etwas, dass Sie vermisst haben, weil es im zu Ende gehenden Jahr nicht möglich war? Ja. Unsere Ausstellungen so durchzuführen, wie sie geplant waren. Die Historismus Ausstellung, wo wir Ingolstadt in den späten 90er Jahren des 19. Jahrhunderts zeigen wollten, eine Scharnierzeit der Ingolstädter Geschichte, so etwas nicht zeigen zu können, tut richtig weh, weil wir uns ja darauf vorbereitet haben und mitten im Lauf ausgebremst wurden. Was ich auch sehr bedaure, sind die ausgefallenen Konzerte im Bauerngerätemuseum in Hundszell, die Märkte dort, die Volksmusik oder die Reihe „Tango mit der Ziach“, ebenso wie die Konzerte hier im Haus. Das stimmt traurig, wenn man Außerordentliches wie die Nacht der Museen in allen Häusern, die Vorträge und all das, was als Begleitung zu Dauerausstellungen ein Museum ausmacht, nicht durchführen kann.

Sie haben gerade die verschiedenen Örtlichkeiten, die Sie als Direktorin des Stadtmuseums bespielen, erwähnt – wie sehen denn die Pläne für das kommende Jahr aus? Auf dem Plan stehen natürlich die aufgeschobenen Projekte aus diesem Jahr, aber auch neue Ideen mit einer Künstlerin aus der Region, die das Thema Kunst und Frauen bearbeitet. Es wird darum gehen, das Fleißerhaus museumspädagogisch zu präsentieren, mit den ganzen Facetten für Schulen. Ein ganz wichtiger Aspekt ist auch die NS-Forschung – das Gedenken und Erinnern darf nicht abbrechen. Wir werden mit einer hervorragenden Ausstellung dieses Thema weiterentwickeln. Der Titel lautet „KZ überlebt“ mit Fotografien von Stefan Hanke. Zwischen Kinderbuchautorin und Gedenken an die NS-Opfer zeigen wir die ganze Bandbreite, die das Leben ebenso wie die Gesellschaft prägt, und die ein Museum leisten kann. Wir hoffen, all diese Facetten wieder bespielen zu dürfen, im Haupthaus und im Fleißerhaus. Das Bauerngerätemuseum mit der Veranstaltungshalle ist eine Kategorie für sich.

ANMERKUNG: ANMERKUNG: Die Autorin hofft, dass die Pläne im kommenden Jahr umgesetzt werden können…

TEXT: Petra Volkwein, FOTOS: © Stadt Ingolstadt / Gebhard, Schalles + Roessle